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  • Dr. Felix Hoffmann

Prof. Dr. Sven Meister im Portrait

Aktualisiert: 15. Nov. 2021

Wer steckt hinter Purpose:Health e.V.? Mit einer kleinen Social-Media-Kennenlern-Aktion wollen wir uns nicht nur untereinander kennenlernen, sondern auch der Öffentlichkeit zeigen, wer wir sind und wofür wir stehen. In diesem Beitrag stellt sich unser Mitglied Prof. Dr. Sven Meister vor.


Vielen Dank Sven, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Bitte erzähl uns etwas über dich und deinen Bezug zum Gesundheitswesen

Mein Name ist Sven Meister und ich arbeite seit fast 15 Jahren im Gesundheitswesen, habe irgendwann einmal Bio- und Medizininformatik studiert und bin dann zu Fraunhofer gekommen. Dort habe ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter angefangen, mich mit digitalen Innovationen im Gesundheitswesen aus einer technischen Perspektive auseinanderzusetzen.


In meinen 15 Jahren bei Fraunhofer habe ich gelernt, dass der Faktor Mensch bei der Entwicklung von digitalen Technologien eine relevante Rolle spielt, was mich natürlich an gewissen Stellen auch zum Umdenken bewegt hat. Das hat mich schließlich dahin gebracht, dass ich nicht mehr nur bei Fraunhofer bin, sondern nun meinen Hauptberuf an der Uni Witten/Herdecke habe und dort nicht im Bereich der Informatik, sondern in der Fakultät für Gesundheit / Department Humanmedizin angesiedelt bin. Meine Aufgabe ist es, Medizinstudierenden digitale Kompetenzen zu vermitteln.


Digitale Kompetenzen sind sicherlich sehr hilfreich und notwendig, welche Rolle spielt Purpose für dich in diesem Zusammenhang?


Wir sind sehr stark getriggert, weil wir immer über Effizienz und Effektivität reden, die durch Digitalisierung gefördert werden – bewiesen ist dies in der Breite jedoch nicht. Gleichwohl sehe ich bei den Studierenden, die ich ausbilde, dass sich viele von ihnen die Frage stellen, wie man Arbeit und Privatleben zusammenbringen kann, welche Rolle möglicherweise die Digitalisierung dort spielen könnte und wie man eine patientengerechte Versorgung mithilfe digitaler Technologien sicherstellen kann.


Wir haben eine ganze Reihe an Fragezeichen in einem doch sehr betriebswirtschaftlich orientierten System und ich wünsche mir, dort mitgestalten zu können, insbesondere natürlich mit der Perspektive, inwiefern Technologien unterstützen können.


Auf welche Weise willst du als Hochschullehrer auf diese Entwicklung Einfluss nehmen?


Als Hochschullehrer ist es meine Aufgabe, Kompetenzen zu schaffen. Kompetenzen führen am Ende optimalerweise zu einem höheren Maß an Souveränität, Entscheidungen zu treffen und damit auch zu mehr Sicherheit.


Ich sehe es als elementar an, meinen Studierenden diese Souveränität in Bezug auf die Digitalisierung zu vermitteln, um ihnen während des Studiums und auch später als junge Mediziner:innen das Handwerkszeug an die Hand zu geben, Dinge einzufordern, die das System verändern können und die Hand zu heben, um selbstbestimmt zu sprechen.


Du bist als Gründungsmitglied ein Mitglied der ersten Stunde bei Purpose:Health e.V. – Was erwartest du von der Mitgliedschaft?


Ich erwarte einen interdisziplinären, offenen und kreativen Austausch über Möglichkeiten der Veränderung des Gesundheitswesens, das sehr stark reguliert und von sehr vielen starken Interessensvertretungen geprägt ist.


Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, andere Modelle zu denken und auch in die Diskussion zu bringen, um eben dieses Momentum der Gestaltung zu schaffen. Die Interdisziplinarität ist für mich die Stärke, dass nicht nur die Mediziner:innen oder nur die Informatiker:innen etwas denken, oder dass lediglich aus der Sicht der Betriebswirtschaft etwas betrachtet wird, sondern dass wir gemeinschaftlich über Chancen Nachdenken, um eben Veränderungen im Sinne von Purpose in das Gesundheitswesen und in die Gesellschaft hineinzubringen.


Ehrenamt ist immer ein Geben und ein Nehmen. Was kannst du dazu beitragen, dass sich der Verein zu einer starken interprofessionellen Stimme im Gesundheitswesen entwickelt?


Meine Rolle innerhalb des Vereins ist die Leitung der Arbeitsgruppe „Wertorientierte Digitalisierung“. Oft wird die Digitalisierung als maßgebliches Momentum für Effizienz betrachtet, wofür es zugegebenermaßen faktisch keine Evidenz im Gesundheitswesen gibt. Wir möchten Evidenz dafür schaffen, wo Digitalisierung im Gesundheitswesen einen Mehrwert schaffen kann, insbesondere auch aus dem Blickwinkel der Werteorientierung und dem „Faktor Mensch“.


Wo siehst du das Gesundheitswesen in zehn Jahren?


Das Gesundheitswesen wird aus sich selbst heraus wahrscheinlich nicht viele Veränderungen umsetzen können, es wird aber voraussichtlich durch externe Einflussfaktoren stark beeinflusst werden.


Wir merken, dass es vermehrt nationale und internationale digitale Dienstleister gibt, die anders über ein Angebot von Gesundheitsdienstleistungen nachdenken und dieses bereits in Teilen bereits umsetzen, sodass das deutsche Gesundheitssystem darauf reagieren muss. Wie geschickt es dies tut, hängt auch davon ab, wie ehrlich man mit dieser Situation umgeht und ob man sich einer kritischen Diskussion stellen möchte.


Vielen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Dr. Felix Hoffmann am 19.10.2021.


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